Dialoge

ZidZ I - ZidZ II - ZidZ III


In Deutschland werden praktisch alle ausländischen Filme für die Kinos synchronisiert. Die Zurück in die Zukunft - Trilogie ist da keine Ausnahme. Aber wie immer gibt es eine ganze Menge Dialogzeilen, seien es nun idiomatische Ausdrücke, die es so nur im Englischen gibt, oder Insider-Witze, die nicht nur übersetzt, sondern auch verändert werden müssen, angepasst an das Deutsche Publikum, das sie ja ansprechen sollen. Im folgenden Artikel möchte ich einige der interessantesten Änderungen vorstellen, die in der Deutsch synchronisierten Fassung der Zurück in die Zukunft - Filme vorgenommen wurden.

Für Leute, die es ganz genau wissen & über unten stehenden Artikel hinaus nachforschen möchten: Ab sofort stehen die englischen und deutschen Dialoge als Transkript im tabellarischen Format, direkt nebeneinander auf der selben Seite, zum direkten Vergleich zur Verfügung (im Moment allerdings nur für Teil 1). Dafür wird ein neues Fenster geöffnet. Hier geht's zu dem Transkript!


Zurück in die Zukunft Teil 1

"Battle of the Bands"-Vorspielen

Bei den "Battle of the Bands"-Vorspielen, als Marty gerade auf die Bühne zu den Pinheads geht, sagt einer der Typen unten an den Stufen "Heiz' denen ein, dass die Bude raucht!" Im Original sieht man zwar noch, dass etwas gesagt wird, hören kann man es jedoch nicht. - Nun, "einheizen" ist genau was Marvin Berry vorhat, als Marty auf dem "Verzauberung unterm See - Tanz"° Gitarre spielt. Seine Textzeile lautet dort "...wir heizen denen mal richtig ein." - im Original "Let´s play something that really cooks". Es ist wirklich schade, dass man diesen "déjà vu" (oder vielmehr ecouté) - Gag im Original nicht mitbekommt! °übrigens: schon mal gemerkt, dass der "Enchantment Under the Sea Dance" im Deutschen eigentlich "...unter der See" (mit anderen Worten, unter dem Meer) heißen müsste??

"What are you looking at, butthead?"

Um die wörtliche Übersetzung von "butthead" zu vermeiden (wörtlich in der Tat "A*schgesicht"), wurde - zumindest im ersten Teil - der Ausdruck "Was glotzt du denn so, Milchgesicht?" verwendet. Mehr dazu in meinen Anmerkungen zu Teil II.

"Give me a Tab"

Das Getränk "Tab" gibt es in Deutschland nicht, und zu versuchen, den Witz mit der Doppelbedeutung des Wortes (wird auch für "Rechnung, Kassenzettel" gebraucht) zu übersetzen, hätte sowieso keinen Sinn gemacht. So wurde "Tab" also in "Cola Light" umgeändert, da ja zuckerfreie Produkte in Deutschland generell als "Light"-produkte bekannt sind. Das gilt natürlich auch für "Pepsi Free" (inzwischen gibt's nur noch "Diet Pepsi"... warum wurde das wohl geändert?? ;-) ), das zu unserem "Pepsi Light" wurde. Es macht Sinn, dass Lou nicht weiß, was eine "Cola Light" ("Leichte Cola") sein soll. Aber die Übersetzung "Pepsi Ohne - Ohne zu bezahlen?" (das wäre dann wohl "Pepsi Without - Without paying?") für den Ausdruck "Pepsi Free" klingt sehr, sehr eigenartig. Immerhin geht so der Witz nicht gänzlich verloren.

"Ronald Reagan? Der Schauspieler?"

Als Marty den 1955er Doc zum ersten Mal trifft, versucht er verzweifelt, diesem zu beweisen, dass er tatsächlich aus der Zukunft kommt. Doc fragt ihn "Wer ist im Jahr 1985 Präsident der Vereinigten Staaten", worauf Marty mit "Ronald Reagan" antwortet. Dummerweise ist jener im Jahr 1955 noch als Schauspieler tätig. Doc hält das alles für einen schlechten Witz und fragt sich, ob John Wayne wohl Verteidigungsminister ist. Wurden die anderen Personen (Jerry Lewis als Vizepräsident und Jane Wyman als First Lady) noch beibehalten, hat man den Deutschen wohl nicht zugetraut, dass ihnen Jack Benny etwas sagt, der hier als "Secretary to the Treasury" (Finanzminister) genannt wird (immerhin hat er in einer Quizshow in den 60ern einmal den Begriff "Geizkragen" mit "ich" definiert ;-) ). Allerdings kennt man ihn hierzulande allerhöchstens aus dem Lubitsch-Original von "To Be Or Not To Be" ("Sein Oder Nichtsein", 1942). Manche Leute haben an dieser Stelle auch den Namen "Chuck Berry" gehört - das ließe noch eine andere Deutung zu: Chuck Berry hat finanzielle Probleme (er ist schließlich "auf der Suche nach einem neuen Sound", wie sein Cousin Marvin später feststellt, und offensichtlich im Moment nicht so erfolgreich...), deshalb traut ihm der Doc einen solchen Posten nicht zu. Auf jeden Fall waren hier die Übersetzer mit der "John Wayne"-Variante außergewöhnlich kreativ und witzig - man fragt sich, ob Bob Gale oder Robert Z. sich diesen Alternativ-Gag persönlich ausgedacht haben.

"Why don't you make like a tree, and get outta here?"

Auf den ersten Blick geht dieses Wortspiel (ursprünglich heißt es "...and leave" - es geht um "tree"=Baum und "leaf"=Blatt) total verloren... Anders als in Teil II und III , wo die Übersetzer versuchten, Biffs ständiges Verwechseln der Sprichwörter nachzumachen (siehe später), lassen sie ihn hier sagen "Mach' gefälligst 'ne Fliege und lass' in Zukunft den Aufstand, klar?" Wenn man allerdings die tiefere Bedeutung dieser Zeile erforscht, entdeckt man zwei komplett neue Pointen: Erstens, würde man "Mach' 'ne Fliege" wörtlich zurück ins Englische übersetzen, käme dabei "Make a fly" heraus - klingt das nicht etwas nach "McFly"? Und was sonst könnte man zu jemand namens McFly sagen, als "Mach´ ´ne Fliege" - oder auch "Buzz off", die korrekte Übersetzung? ("buzz" ist ja genau das Geräusch, das Fliegen machen!) --- Was wir hier nicht berücksichtigen, ist die Tatsache, dass Biff gar nicht weiß, mit wem er hier spricht... Zweitens, "in Zukunft den Aufstand lassen" ist genau, was Marty tun müsste... hmmmm...

Der "Florence Nightingale - Effect"

...wird zum "Samariter-Effekt". Erklärt sehr schön, was vor sich geht, die weibliche Komponente geht aber leider verloren (Florence Nightingale, die sprichwörtliche 'Barmherzige Samariterin' kennt eben in Deutschland auch niemand...)

"Lorraine! My density has popped me to ya!"

Crispin Glovers wohl berühmteste Textzeile in Teil 1 (die ihm bei seinen Fans den Spitznamen "Mr. Density" eingebracht hat) konnte natürlich nicht wörtlich übersetzt werden . Der Witz hängt davon ab, dass die Zeile ähnlich klingt wie die Worte, die Marty George vorgeschlagen hat: "Destiny has brought you together" - und außerdem bezeichnet man mit "density" auch einen recht beschränkten Geisteszustand. Martys Deutsche Textzeile lautet "Das Schicksal hat euch zusammengeführt". Bei George wird das zu "Mein Rikscha hat mich zu Dir geparkt", was im Deutschen dann auch herrlich albern klingt.

"Lauft nicht weg, sonst versäumt ihr was!"

Im Original heißt das: "Don't nobody go nowhere!" Obwohl der 'Deutsche' Marvin Berry auch ziemlich recht hat, geht der witzige Effekt der dreifachen Verneinung verloren.

"Werden wir da Idioten oder sowas in der Richtung?"

Wie manche Leser vielleicht wissen, gab es im Englischen zwei verschiedene (Dialog-) Fassungen des Endes von ZIDZ Teil I: Bei der Kinofassung lautet die Frage, die Marty an Doc stellt, als dieser ihn bittet, mit ihm "Zurück in die Zukunft" zu kommen "What happens to us in the future? Will we become assholes or something?" - Für die TV-Ausgabe, musste das Wort mit "a" in "jerks" geändert werden (vgl. "Back to the Future - The Official Book of the Complete Movie Trilogy" - ISBN 0-792-45444-8 - von Michael Klastorin und Sally Hibbin, Seite 77). Im Deutschen allerdings gibt es nur die eine Version mit "Idioten" - Naja, man muss es einmal so sehen, die Deutsche Übersetzung von "assholes" klingt noch viel unpassender für Marty...

Unsynchronisiert!

Wie unter anderem im Interview mit "Docs" und "Martys" Synchronsprechern festgestellt wurde, gibt es gelegentlich unsynchronisierte Passagen (das liegt daran, dass sie nicht auf der normalen Synchron- sondern der Soundeffekt-Spur liegen, betrifft aber eben auch "Stimm-Geräusche" der Schauspieler wie z.B. Schreie). Eine besonders interessante gibt es hier als Hörprobe (mit Dank an "Artax"): Doc ist fasziniert von der Kamera, nachdem Marty in die Vergangenheit gereist ist und nun bei Doc in der Garage steht. Doc spielt an der Kamera herum und spielt die Szene, aufgenommen von Marty an der Twin Pines Mall, immer wieder ab. Wenn er zurückspult, hört man ein schnelles "Gequackel", welches in alten Videos beim Zurückspulen einer Kassette durchaus üblich war. Nimmt man dieses "Gequackel" auf, bearbeitet es, spielt es rückwärts und im richtigen Tempo ab, hört man den Originaltext der Szene auf englisch.